Welche wege führen raus

Das innere Kind

"Das Erleben des inneren Kindes"

- Ein Bericht von elektroNICK -
"Das innere Kind" ist die Bezeichnung f?r bestimmte (unbewu?te) Charaktermerkmale in uns. F?r die Pers?nlichkeitsentwicklung ist es unabdingbar sich mit diesen Teilen zu konfrontieren und zu arrangieren.
Nur wenn es uns gelingt unseren verspielten, naiven und verletzlichen Teile zu integrieren, haben wir eine Chance auf dem Weg zur Ganzwerdung.

Zum Inhalt:
1. Das Problem des inneren Kindes
2. Die Geschichte des inneren Kindes in unserer Familie
3. Was haben wir in unserer Kindheit emotional erlebt?
4. Die Trennung zwischen innerem Kind und innerem Erwachsenen
5. Die Macht des inneren Kindes
6. Die Gesichter unseres inneren Kindes
6.1. Das ungeliebte innere Kind 6.2. Das geliebte innere Kind
7. Die Gesichter des inneren Erwachsenen
7.1. Der lieblose innere Erwachsene 7.2. Der liebevolle innere Erwachsene
8. Die Arbeit mit dem inneren Kind
8.1. Ein Beispiel der Arbeit mit dem inneren Kind 8.2. Oberstes Gesetz: Regelm??igkeit und Intensit?t! 8.3. Die Sprache unseres inneren Kindes: Bilder und Gef?hle 8.4. Die verschiedenen praktischen M?glichkeiten des Dialogs 8.5. Die ?ngste des inneren Kindes und des inneren Erwachsenen 8.6. Die Ernsthaftigkeit ist wichtig 8.7. Voraussetzungen f?r die Arbeit mit dem inneren Kind 8.8. Die zw?lf Schritte amerikanischer Selbsthilfegruppen
9. Das Ergebnis
10. Literatur

1. Das Problem des inneren Kindes
Mal ganz ehrlich: Haben Sie, lieber Leser, einen engen Kontakt zu Ihrem Gef?hlsleben? Wissen Sie immer ganz genau, was Ihnen gut tut? Haben Sie innere Lebensfreude sp?rbar jeden Tag?
Ohne ?bertreibung darf man wohl sagen, da? die ?bergro?e Mehrheit unserer Mitmenschen einen sehr sp?rlichen Kontakt zu ihren Gef?hlen hat. Spontan m?chte man meinen, da? dies nicht weiter schlimm sei, aber mit wachen Augen sieht man gen?gend Mi?st?nde in unserer Gesellschaft, die sich ohne Weiteres auf eine innere Gef?hllosigkeit reduzieren lassen.
Seien wir uns bewu?t, da? wir Deutsche in einem besonderen Ma?e als gef?hllos gelten. Offensichtlich gilt es in unserer Nation als eine Tugend, wenn man die eigenen Gef?hle hinter sich liegen lassen kann.
Zwangsl?ufig folgen aus dieser Unterdr?ckung aber Probleme, um die es in dieser Ausarbeitung gehen soll. Welche Gef?hle werden unterdr?ckt, welche Konsequenzen hat es und wie lassen sich die Schwierigkeiten beheben?
Wer es als normal und gesund empfindet, bei Unlust den Fernseher anzuschalten, bei schlechter Laune seine Mitmenschen fertig zu machen oder wochenlang unkreativ zu sein, wird mit diesem Text wenig anfangen k?nnen, denn an dieser Stelle gehe ich davon aus, da? obige Verhalten auf Dauer gesehen ?u?erst sinnlos sind, da wir uns in diesem Fall unn?tig deutlich wie Tiere verhalten.
Dieser Text richtet sich an diejenigen Zeitgenossen, die ihre psychologische Situation als nicht befriedigend empfinden und aktiv daran arbeiten m?chten. Wie bei allen Texten ?ber unterbewu?te Inhalte gilt auch hier, da? man sich davor h?ten mu?, das Gelesene sofort abzulehnen. Das Unterbewu?tsein liest immer mit und manchmal wehrt es sich!
Kommen wir zur Sache: Auf der Suche nach einer L?sung f?r die angesprochenen psychischen Probleme st??t man immer wieder auf eine Unterteilung wie die folgende Abbildung zeigt:
(((Hier fehlt eine Abbildung.)))
Alle diese Unterteilungen kann man aber auch in eine andere Kategorie fassen, die sich im amerikanischen Raum in der Therapie unzufriedener Menschen sehr bew?hrt hat: "der innere Erwachsene und das innere Kind ". Diese Bezeichnungen des Erwachsenen und des Kindes sind keine Fachbegriffe, sondern an der Praxis orientiert, um Menschen bei der Bew?ltigung ihrer Probleme zu helfen. Es geht letztlich darum, da? zwischen den oben genannten Instanzen immer wieder Spannungen entstehen, die zu Problemen f?hren. Typische Symptome sind:
eine Entfremdung von der eigenen Person,
eine Gef?hlsk?lte, unter der man auch selbst leidet,
Gef?hl der Sinnlosigkeit des eigenen Lebens,
Einsamkeitsgef?hle,
unerkl?rliches, pl?tzliches Herausbrechen von unbeherrschbaren Gef?hlen (Mitleid, Gewalt, ...)
Es scheint also offensichtlich ein Problem vorzuliegen. Wie kann man das Problem fassen? Eine verh?ltnism??ig angenehme und praktische Art ist die Sichtweise, da? unsere Psyche kein ununterteilbares Kontinuum ist, sondern eine Sammlung unterschiedlichster Instanzen, die unter anderem auch unser inneres Kind und unseren inneren Erwachsenen umfa?t. Anders ausgedr?ckt k?nnte man sagen, da? wir im Umgang mit unserer Psyche manchmal bewu?t eine kleine Pers?nlichkeitsspaltung vornehmen sollten, um uns selbst besser verstehen und beeinflussen zu k?nnen. Dieser Ansatz mag zun?chst etwas abwegig erscheinen, doch die Psychologie hat tats?chlich festgestellt, da? unser Bewu?tsein aus verschiedenen, teilweise autonomen Teilen besteht. So gesehen ist der Ansatz sehr angemessen.
Was diese Spaltung ausmacht, soll in einem Beispiel deutlich werden: Angenommen der nicht so seltene Fall, da? man abends keine Lust mehr hat, etwas Sinnvolles zu tun. Wie kann man mit der Situation umgehen?
a) Die erste M?glichkeit: Man f?hlt sich in diesem Augenblick g?nzlich unf?hig, gegen dieses Gef?hl anzugehen. Es hat vollkommen von einem Besitz ergriffen und es scheint innerlich niemanden zu geben, der ein "Machtwort" reden k?nnte. Man ist sich diesem Gef?hl noch nicht einmal bewu?t, es ist einfach vorhanden. Da von au?en niemand Druck aus?bt, wird man sich dem Fernseher, oder allgemein dem Tr?gheits-Gef?hl, hingeben.
b) Die andere M?glichkeit: Sobald dieses Gef?hl aufkommt, registriert man es. Du sagst Dir laut: "Aha, hier ist also ein Teil von mir sehr unzufrieden!". Da du dir bewu?t bist, da? lediglich ein Pers?nlichkeitsteil von dir unzufrieden ist, identifizierst du dich nicht v?llig mit ihm. Da deinem Wach-Bewu?tsein momentan nichts gegen den Strich geht, mu? sich also etwas unbewu?tes quer stellen: Das innere Kind. Es hat vielleicht in den letzten Stunden keinen Spa? mehr gehabt, mu?te immer brav schweigen und nun ist es st?rrisch. Du suchst nach Strategien, um den Abend doch noch sinnvoll zu nutzen (Konkretes sp?ter, wenn wir das innere Kind und den inneren Erwachsenen n?her kennengelernt haben).
Unter diesem neuen Aspekt sollen die psychischen Probleme und deren Abhilfe beleuchtet werden.
Zun?chst ein kleiner "Psychotest": Wie nahe sind Sie an Ihrem inneren Kind?
1.) Wie w?rden sie Ihre psychische Situation einsch?tzen? Eher emotional ausgeglichen, ohne besondere Extreme (Sie lachen selten laut, und weinen nicht)? Oder eher mit einer st?ndigen Gef?hlsdusche (laut lachen, ab und zu weinen, manchmal so richtig w?tend, manchmal ziemlich rachs?chtig)?
2.) K?nnen Sie sich vorstellen, da? sie ein inneres Kind - einen kindlich gebliebenen Pers?nlichkeitsteil - haben?
Ergebnis:
zu 1.) Da das innere Kind eine ausgesprochene Gef?hlsdynamik hat, kann man in etwa sagen, da? die Menschen mit h?ufigen Gef?hlsduschen n?her am inneren Kind sind, als die anderen. Ein kontinuierliches Gef?hlsleben l??t eher auf ein unterdr?cktes Kind schlie?en.
zu 2.) Wer sich nicht vorstellen kann, ein inneres Kind zu haben, ist weiter davon entfernt, als derjenige, der es sich vorstellen kann.
Je weiter man von seinem inneren Kind entfernt ist, desto wichtiger ist es, diesen Pers?nlichkeitsteil kennenzulernen. N?heres dazu in den folgenden Kapiteln.

2. Die Geschichte des inneren Kindes in der Familie
Die Geschichte unseres inneren Kindes ist die Geschichte unseres Gef?hls. Das Entscheidende an diesen Gef?hlen ist, da? sie nicht - wie unser Intellekt - in einem gro?en Umfang geschult wurden. Das Gef?hl ist niemals Gegenstand von Unterrichtsf?chern in der Schule gewesen und wird auch in der Familie Zuhause meistens ?bergangen, folglich lernt es nur sehr viel langsamer als unser Verstand.
Das unser Verstand lernen kann, ist uns allen bewu?t, aber wie kann das Gef?hl lernen? Um diese Frage zu beantworten, m?ssen wir ?berlegen, inwiefern sich unser Gef?hl seit unserer Kindheit weiterentwickelt hat.
a) Man kann es beispielsweise als eine Weiterentwicklung ansehen, da? unser jugendliches Gef?hl der Liebe einem reiferen, verantwortungsvolleren Gef?hl gewachsen ist.
b) Ein anderes Beispiel ist unsere F?higkeit, auf eigene Bed?rfnisse zeitweise zu verzichten, wenn es um einem anderen Menschen geht.
Als kleines Kind w?ren wir dazu nicht jederzeit bereit gewesen. Fest steht also: Unser Gef?hl kann lernen! Ebenfalls steht fest: Es lernt nur langsam, weil es wenig gef?rdert wird!
Schauen wir uns doch einmal an, wie verschieden wir mit Gef?hl und Verstand umgehen:
? Das Gef?hl ist in unserer Gesellschaft kein nennenswerter Aspekt. Selten wird ?ber Gef?hle gesprochen. Jungen wird eingeredet, sie h?tten gar kein Gef?hl. Jugendliche werden "cool" und halten sich damit f?r erwachsen. Unsere soziale Umwelt versucht unbewu?t mit allen Mitteln, eine gef?hlsm??ige Weiterentwicklung zu verhindern, da sie f?rchtet, wir k?nnten uns von ihr weg-entwickeln. So machen die Menschen sich gef?hlsm??ig voneinander abh?ngig und reagieren mit Strafen, wenn ein Mitglied sich distanziert. Als Erwachsener darf man im Beruf nicht mehr kindlich sein, sondern mu? f?r Konzerninteressen "?ber Leichen gehen". Als Senior darf man sein Gef?hlsleben auch nicht weiterentwickeln, da die Gesellschaft (wegen Konsum-Anheizung) darauf dr?ngt, da? man sich mit 65 Jahren genauso benehmen mu?, wie mit 50 Jahren.
Alle diese Einfl?sse bewirken, da? wir keinen engen Kontakt zu unseren Gef?hl haben, und da? unser Gef?hl absolut unterentwickelt ist.
? Der Verstand ist in unserer Gesellschaft ein wesentlicher Pfeiler. Der Verstand wird so fr?h es geht - schon in der Vorschule - gesch?rft, und durchl?uft danach 13 Jahre lang eine ausf?hrliche Schulung in allen m?glichen Disziplinen. Eventuell wird er danach im Studium nochmals 5 Jahre lang spezialisiert, um dann schlie?lich im Beruf auf Hochtouren zu laufen, um Konsumg?ter direkt oder indirekt zu produzieren. Die Gesellschaft gibt ihr bestm?gliches, um eine Weiterentwicklung des Verstandes zu erm?glichen. Es ist eine Tugend, seinen Verstand weit entwickelt zu haben.
Die Vernachl?ssigung des Gef?hls ist zwar auch eine gesellschaftlicher Nachl?ssigkeit, aber ma?gebend pr?gt die emotionale Situation der Familie das zuk?nftige Gef?hlsleben des Menschen. Das emotionale Klima der Familie wird von den Kindern ?bernommen und in das eigene Leben hineingetragen. Es hat sich in der psychologischen Forschung herausgestellt, da? das Familienklima gar nicht so schlecht sein kann, da? es nicht doch noch von den Kindern ?bernommen wird. Gepr?gelte Kinder suchen auch als Erwachsen wieder die Pr?gel, bzw. pr?geln selber. Wenn man in die Familien schaut, so sieht man kaum geeignete Vorbilder in den Eltern. Nicht desto trotz ?bernehmen die Kinder die Verhalten der Erwachsenen.
Aus dieser Betrachtung folgt, da? wir alle auch heute noch gef?hlsm??ig in unserer Familie leben!
Das Resultat der verschieden starken F?rderungen ist eine zunehmend fortschreitende Spaltung zwischen Intellekt und Gef?hl. Es ist nicht ?bertrieben, wenn man sagt: Wir haben den Intellekt eines Erwachsenen und das Gef?hlsleben eines Kleinkindes.
Teile der Psyche unserer Kindheit bleiben uns also auch noch bis tief bis ins Erwachsensein hinein erhalten. Sie k?nnen nicht mit dem 18. Geburtstag offiziell abgelegt werden, denn dieser Geburtstag k?mmert das innere Kind wenig.
(((Hier fehlt eine Abbildung.)))
Aus diesem Grund bleiben alle emotional pr?genden Einfl?sse tief in unsere Gehirnwindungen eingemei?elt und sind Zeugen unserer einstigen, kindlichen, emotionalen Situation. Auch heute noch sind wir Erwachsenen dazu verdammt, uns in diesem Gef?hlslabyrinth zu verlaufen. Im Gegensatz zu unserer Kindheit haben wir durch unseren Verstand aber die M?glichkeit, Anfeindungen oder Vorw?rfe besser zu verarbeiten.
Doch: Auch wenn wir glauben, da? wir nun erwachsen geworden sind, so ist es ein Irrtum anzunehmen, das innere Kind wurde von dem inneren Erwachsenen verdr?ngt. Es ist vielmehr so, da? sich ein innerer Erwachsener heranbildet, der neben dem Kind existiert. In den allermeisten F?llen ist dieser innere Erwachsene in uns eine Nachbildung unserer Eltern und der Gesellschaft. Er versucht st?ndig, unser inneres Kind klein zu halten und einzuengen.

3. Was haben wir in unserer Kindheit emotional erlebt?
Um beurteilen zu k?nnen, was wir als Kinder erlebt haben, m?ssen wir uns zun?chst Gedanken dar?ber machen, was wir als Kinder f?r eine gesunde Entwicklung der Gef?hlswelt brauchen:
Der wichtigste Punkt ist sicherlich die bedingungslose, dauerhafte Liebe und Zuwendung der Eltern. Dar?ber hinaus wird sp?ter die Anerkennung und die Respektierung des Kindes sehr wichtig. Kinder, die sich selbst (das Ich) entdeckt haben, wollen auch von der Umwelt akzeptiert werden. Das ganze sp?tere Leben wird von dem Wunsch nach Anerkennung gepr?gt sein - was nicht zuletzt auch aus evolutionstheoretischer ?berlegung Sinn macht: Aus der Suche nach Anerkennung resultieren Leistungen und erm?glicht damit auch eine sinnvolle Selektion im Rahmen der Partnersuche.
Die Erfahrung mit Menschen zeigt, da? die Suche nach Liebe, Zuwendung und Anerkennung das ganze Leben pr?gt. Das Leben besteht aus der Suche nach Liebe und Anerkennung! Von diesen Gef?hlen k?nnen wir gar nicht genug bekommen - die Pr?gungen in unserer Kindheit (unsere emotionalen Erlebnisse) haben die Grundmauern gesetzt f?r das emotionale Haus, in dem jeder von uns lebt. Schon jetzt kann vorweggenommen werden, da? die Suche immer im Innern des Menschen endet. Erst wenn er Liebe und Anerkennung in sich selbst findet, bekommt er seine ersehnte gef?hlsm??ige Ruhe.
Wie sieht die Realit?t aus? Leider weniger rosig, als man es erhofft. Die Eltern sind in einem zunehmenden Ma?e damit besch?ftigt, sich selber zu verwirklichen (sie suchen nach Liebe, Zuwendung und Anerkennung), anstatt eben diese Gef?hle an ihre Kinder weiterzugeben. Es ist eine traurige Tendenz, da? Kinder wieder immer einsamer aufwachsen und verwahrlosen. Der Fernseher als Babysitter ist gesellschaftsf?hig geworden.
Wenn wir dar?ber nachdenken, warum Eltern ihre Kinder nicht liebevoll genug erziehen und ihnen nicht die angemessene Anerkennung geben, so liegt dies meistens nicht daran, da? die Eltern dies aus Berechnung tun. Vielmehr sind sich die Menschen (und damit auch die Eltern) immer mehr bewu?t, da? ihnen etwas fehlt: Liebe, Zuwendung und Anerkennung. Diese L?cken wollen sie f?llen, was an sich eine lobenswerte Bestrebung ist. An dieser Stelle soll eine dunkle Bef?rchtung ge?u?ert werden: Je mehr eine Elterngeneration durch Leistungen am Arbeitsplatz versucht, die gesuchten Gef?hle zu erlangen, desto mi?ratener ist die darauffolgende Generation an Kindern.
Konkret bedeutet dies f?r die Kinder: Nur allzu oft werden sie als kleine Erwachsene angesehen, die nicht klug genug sind, nicht eigenst?ndig genug und deswegen nicht sehr viel Wert. Deswegen bedeutet Kindsein f?r uns fast immer Machtlosigkeit und Bedeutungslosigkeit. Sehr oft f?hlen sich Kinder vernachl?ssigt und k?nnen mit diesem Gef?hl nicht richtig umgehen, da sie noch nicht so gefestigt sind, wie die erwachsenen Menschen.
Kinder sehen nicht: "Aha, meine Eltern vernachl?ssigen mich, sie m?ssen selbst eine schwierige Kindheit gehabt haben. Die Welt an sich ist liebevoll, nur habe ich eben Pech gehabt, an solche Eltern geraten zu sein. Meine Eltern sind nur Opfer, also nehme ich es nicht pers?nlich, wenn sie mich schlagen - sie lieben mich trotzdem!". Kinder f?hlen schlimmstenfalls nur eins: "Die Welt liebt mich nicht, ich bin nicht akzeptiert, mein Leben ist sinnlos, ich bin versto?en, geha?t - ich bin nichts wert, ich soll nicht leben.".
Wenn wir nun die oben beschriebene Gef?hlswelt eines Kindes nehmen und bedenken, da? an der Gef?hlswelt in den allermeisten F?llen nicht gearbeitet wird (im Gegensatz zum Intellekt), wird klar, wie sich unser inneres Kind auch heute noch f?hlt: Ungeliebt, ?bergangen, Mi?achtet.
Es ist ein sehr wichtiger Schritt, von dem idealisierten Elternbild abzulassen. Wie oft denken wir vielleicht, was unsere Eltern alles h?tten besser machen k?nnen. Wir stellen uns ideale Eltern vor und w?nschen, solche Eltern gehabt zu haben. Aber es gibt solche Eltern nicht - dies mu? man einsehen. (Einen Trost am Rande: Selbst die Kinder, deren Kindheit man als sehr gl?cklich einstuft, haben eben deswegen Probleme als Erwachsene.)
In Bezug auf die Eltern wird auch noch ein weiterer Fehler gemacht: Man erwartet, da? der Partner die Rolle der Eltern spielt. Dabei ist er h?ufig ?berfordert, denn eventuell erwartet er die gleiche Unterst?tzung von einem selbst.
Jetzt, wo wir die Gef?hlswelt des inneren Kindes etwas kennengelernt haben, wollen wir betrachten, wie sich ein innerer Erwachsener in unserer Pers?nlichkeit herausbildete.

4. Die Trennung zwischen innerem Kind und innerem Erwachsenen
Nachdem wohl klar geworden ist, da? der intellektuelle Teil unserer Psyche hervorragend trainiert und weiterentwickelt wurde - im Gegensatz zum kindlichen Gef?hl, das vergleichsweise dahinvegetieren mu? - stellt sich die Frage, wie es zur Trennung kommen konnte.
Der erste Grund ist der gro?e Unterschied der Weiterentwicklung, der zweite Grund liegt in der schwierigen Zusammenarbeit dieser beiden Instanzen.
Zwar ist das innere Kind h?ufig fr?hlich und zufrieden, aber manchmal (bis ?fter) ist es melancholisch und selbstzerst?rerisch. Man kann vermuten, da? das innere Kind unzufrieden ist, weil es die Liebe, Zuwendung und Anerkennung, die es einst von den Eltern nicht ausreichend bekam, nun in der Gegenwart nicht von dem inneren Erwachsenen bekommt. Es handelt sich hier sozusagen um eine Erziehungsfortf?hrung des inneren Erwachsenen, die das innere Kind mit Unmut quittiert.
Man kann in der Entwicklung durchaus einen Teufelskreis sehen: Der Verstand wird geschult, das innere Kind vernachl?ssigt. Das innere Kind wird traurig und st?rrisch. Der Verstand merkt dies und geht deshalb auf Distanz zum inneren Kind, da es ihm nur Probleme (Melancholie) beschert. Die gr??ere Distanz verursacht beim inneren Kind eine wachsende Traurigkeit.
Auf diese Weise entstehen erhebliche Spannungen im Menschen, da er letztlich aus einem ?berheblichen, hyperaktiven Wach-Bewu?tsein und einem st?rrischen, melancholischen Unterbewu?tsein besteht; diese Mischung ergibt die f?r uns westlichen Menschen typischen Probleme, die schon in der Einleitung erw?hnt wurden.

5. Die Macht des inneren Kindes
Bei allem, was wir jetzt schon ?ber das innere Kind wissen, w?re es interessant zu kl?ren, inwieweit das innere Kind unsere Handlungsweisen beeinflussen kann. Zun?chst k?nnte man meinen, da? unterbewu?te, erfolgreich verdr?ngte Pers?nlichkeitsteile machtlos seien, aber genau das Gegenteil ist der Fall.
Motivation:
Um die Frage der Macht des inneren Kindes beantworten zu k?nnen, m?ssen wir uns Gedanken ?ber die Motivation des Menschen machen. Was bedeutet es, motiviert zu sein?
Beim ersten Blick fallen uns vielleicht folgende Motivatoren ein: Zuneigung, Zustimmung, Anerkennung, Geld (um sich etwas zu leisten, was uns Spa? macht), Macht, Sicherheitsgewinn, Vermeidung von Schmerz, usw. Bei genauerer Betrachtung f?llt auf: Es sind prim?r Gef?hle, die uns antreiben, niemals wirklich rein intellektuelle oder materielle Belange.
Die Gef?hle sind gr??tenteils in der Hand des inneren Kindes, und damit ist fast der gesamte Bereich der Motivation. An dieser Stelle wird vielleicht langsam klar, wie elementar das unbewu?te innere Kind uns in der Hand hat: Es kann, wenn es will, unsere Motivationen beeinflussen und damit indirekt unser gesamtes Handeln.
Ein Resultat: Wenn wir etwas in seinem Sinne tun, so versorgt es uns bis zum Umfallen mit Motivation; alles klappt wunderbar und eine ganze Nacht kann vergehen, ohne da? wir auch nur ein klein wenig m?de werden. Genauso bekannt sind uns aber auch die Auswirkungen, wenn unser inneres Kind ?berhaupt nicht motiviert ist: Wir sind ungeschickt, m?de, tr?ge, lustlos, melancholisch, bewegungslos, sitzen wie hinter einem Schleier.
Diese Art der Macht ist vergleichbar mit der einer Regierung, die bestimmte Handlungen oder Gegenst?nde des Volkes besteuern kann. ?ber dieses indirekte Mittel k?nnen die Vorg?nge im Staat gelenkt werden. Genauso wie die Motivation k?nnen die Steuern nicht sofort wirken, aber Tendenzen und langfristige Ziele sind auf diese Weise gut steuerbar.
Krankheit:
Doch nicht nur Motivation, sondern auch Krankheiten sind ein beliebtes Mittel der inneren Kinder, wenn sie ihren Willen haben wollen. Auch hier wirken sie nur indirekt, nicht desto trotz aber sehr effektiv. Wenn man psychisch oder physisch krank ist, kann man nicht mehr alles das machen, was man will. Der Verstand, bzw. der innere Erwachsene, kann noch so viele Pl?ne haben: Bei Krankheit m?ssen viele Dinge ausfallen. Entweder kann man die Vorhaben aus k?rperlichen Gr?nden nicht zu ende bringen (Heiserkeit, gebrochenes Bein, h??lichen Pickel, ...), oder es vergeht die Lust (bei Grippe, Kopfschmerzen, ...).
Da viele Krankheiten uns an den ?blichen Besch?ftigungen hindern und uns manchmal einsam ans Bett fesseln, liegt manchmal die Vermutung nahe, da? unser inneres Kind nach Aufmerksamkeit sucht. Die Krankheit l?hmt uns nach au?en und f?hrt uns - im Idealfall - nach innen. Wenn diese Annahme richtig sein sollte, so w?rde auch klar, warum unsere Medizin sehr sch?dlich ist: Wir nehmen ein Medikament und versuchen weiter wie vorher zu arbeiten, obwohl die Krankheit deutlich sagt: "Hier ist dein inneres Kind. Es geht mir nicht gut. K?mmere dich um mich.". Was dann folgen kann, sind noch h?rtere Beschwerden.
Diese Art der Macht ist vergleichbar mit einem Hausarrest, der ebenfalls unsere gewohnten, extravertierten Handlungen unterbinden soll und uns unsere Freiheit nimmt, damit wir ?ber innere Dinge nachdenken. Wer aber "die Fensterscheibe einschl?gt", um nach drau?en zu gelangen, darf sich nicht wundern, wenn er "angekettet" wird.
Ein Unterpunkt von Krankheiten soll noch genannt werden, wenn es um die indirekte Macht des inneren Kindes geht: H?ufig werden wir von k?rperlichen Empfindungen getrieben, ohne das wir erkennen, welche Absicht dahinter steckt. Wenn uns also beispielsweise eine Hitzewelle ?berkommt, wenn wir neben einem unangenehmen Menschen sitzen, so da? wir kurz den Raum verlassen m?ssen, um unsere Jacke auszuziehen und drau?en aufzuh?ngen, so ist dieses Zusammentreffen von Antipathie und Hitzewelle kein Zufall. Das Unterbewu?tsein hat nachweislich die F?higkeit, ?ber unser vegetatives Nervensystem die K?rperparameter Temperatur, Muskelspannung, ... zu beeinflussen (wird im autogenen Training auch vom Wach-Bewu?tsein trainiert). Also wird unser inneres Kind kurz einmal eine Hitzewelle einsetzen, um uns von dem Platz neben dem unangenehmen Menschen zu vertreiben.
Wahrnehmung:
Das Macht-Mittel der Wahrnehmung ist ein ganz besonders effektives, bezieht sich aber nicht unmittelbar auf konkrete Handlungen, sondern auf die Aufnahme von Informationen ?ber die Wahrnehmung. Um dies erkl?ren zu k?nnen, ist es wichtig zu wissen, da? das menschliche Unterbewu?tsein die Kontrolle ?ber die sensorische Verarbeitung unserer Wahrnehmung hat. Diese Verarbeitung findet im Zwischenhirn statt und ist f?r unser Wach-Bewu?tsein unzug?nglich. Das Resultat dieses Umstandes ist beispielsweise unsere selektive Wahrnehmung, die daf?r sorgt, da? nur diejenigen Informationen von uns bewu?t registriert werden, die das Unterbewu?tsein (innere Kind) durchl??t. So kann es passieren, da? wir die gesprochenen Worte unserer Mitmenschen "zuf?llig" falsch verstehen, da? wir "zuf?llig" etwas unangenehmes ?bersehen haben, usw.
Man kann es gar nicht ausdr?cklich betonen, wie wichtig es ist, sich dieses Umstandes bewu?t zu werden: UNSER WACH-BEWU?TSEIN BEKOMMT VON UNSEREM INNEREN KIND SELEKTIVE WAHRNEHMUNGEN ANGEBOTEN! Keine unserer "bewu?ten" Entscheidungen ist frei von dieser Beeinflussung, denn wenn unsere Wahrnehmung verf?lscht ist, sind unsere Grundeinstellungen verf?lscht und damit auch unsere endg?ltigen Entscheidungen.
Leider geht es zu weit, auf diesem Umstand n?her einzugehen. Doch m?ssen wir uns bewu?t sein, da? ein Mensch, der beispielsweise in seinem Elternhaus das Gef?hl bekommen hat: "Du bist schlecht, alle Menschen sind schlecht", sein Leben lang Informationen durch diesen Wahrnehmungskanal aufnimmt. Tats?chlich findet er diese Einstellung ?berall unterst?tzt, da es ja tats?chlich immer wieder solche Nachrichten gibt. Aber es gibt auch gegenteilige Nachrichten, aber diese wird dieser Mensch nicht wahrnehmen. Er h?rt zwar oberfl?chlich von guten Menschen, aber er verarbeitet diese Information nicht; sie wird sofort verdr?ngt.
Wir Menschen denken immer, wir h?tten die Welt verstanden. In Wirklichkeit haben wir sie aber nicht verstanden, da wir nur bestimmte Aspekte der Welt sehen k?nnen: Die Aspekte, die in unserer Kindheit als Fundamente gelegt wurden.
Hier sehen wir also die Macht des inneren Kindes. Die beiden Mittel Motivation und Krankheit sind bei weitem nicht alle direkten Mittel, aber die gel?ufigsten. Um sich zu veranschaulichen, wie das Kind sich die Mittel aussucht, braucht man nur dar?ber nachzudenken, wie Kinder versuchen, ihre Eltern zu gewissen Dingen zu bewegen. Da Kinder keinen direkten Befehlszwang aus?ben k?nnen (dies ist das Mittel der Erwachsenen), m?ssen sie zu indirekten Mitteln greifen: quengeln, str?uben, heulen, lachen, Krankheiten vorspielen, schreien, usw... ?ber genau diese Mittel verf?gt auch unser inneres Kind.
Genauso, wie es uns einleuchtet, da? man ein weinendes Kind durch anschreien nicht zum lachen bewegen kann, sollte man dies auch nicht beim inneren Kind erwarten. Statt dessen m?ssen wir mit W?rme und Verst?ndnis um Sympathie und Einsicht werben.
Bei n?herer Betrachtung ist es schon etwas ern?chternd, da? absolut keine unserer Handlungen frei ist von den Beeinflussungen unseres Unterbewu?tseins und damit unseres inneren Kindes. Wann immer wir von FREIHEIT sprechen, sollte uns diese Tatsache bewu?t sein.

20.10.05 11:13

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