Welche wege führen raus

Das innere Kind

6. Die Gesichter unseres inneren Kindes
Das innere Kind kann verschiedene Aspekte beinhalten, die nat?rlich alle nebeneinander auf unser Gef?hlsleben einwirken. Der Deutlichkeit halber soll zwischen einem ungeliebten und einem geliebten Kind unterschieden werden. Allgemein gilt aber immer, da? das innere Kind das ganze Spektrum intensiver Gef?hle - Freude und Schmerz, Gl?ck und Traurigkeit - erlebt.
Wie bereits angedeutet wurde, lebt das Kind in uns auch dann fort, wenn wir schon erwachsen sind. Die Rolle des "Erziehers" ?bernehmen dann nicht mehr die Eltern, sondern jeder Erwachsene f?r sich selbst. Der Pers?nlichkeitsteil, der daf?r verantwortlich ist, nennt sich der "innere Erwachsene" (wir erl?utern ihn sp?ter). Somit l??t sich sagen, da? das innere Kind nicht nur aus der Vergangenheit heraus lebt und f?hlt, sondern auch aus den gegenw?rtigen Erlebnissen mit der Umwelt und dem inneren Erwachsenen.
Das innere Kind ist f?r unser inneres Wohlbefinden von entscheidender Bedeutung, denn unsere F?higkeit, uns zu freuen, Spa? zu haben, Verantwortung tragen zu k?nnen, h?ngt von der Tiefe der Verbindung zu unserem inneren Kind ab. Die erste Frage, die sich ein Kind immer stellt, ist: Macht es auch Spa?? Auch f?r einen Erwachsenen ist es immer wichtig, sich diese Frage zu stellen und die sch?ne Seiten der Allt?glichkeiten zu entdecken.
Auf keinen Fall darf man den Fehler machen und das innere Kind als ein unwissendes Gef?hlskn?uel ansehen, denn es birgt eine Menge F?higkeiten, Wissen und Intuition die uns nicht bewu?t sind.
6.1 Das ungeliebte innere Kind
Wenn der innere Erwachsene sich davor sch?tzen m?chte, die Gef?hle und Bed?rfnisse des Kindes wahrzunehmen, dann trennt er sich durch die verschiedenen Formen von Selbstanklage, Vernachl?ssigung und Bequemlichkeit von seinem inneren Kind. Das Kind f?hlt sich dann ungeliebt, verlassen und sehr allein. Es schlie? schon in der Kindheit eventuell daraus, da? es schlecht, falsch, nicht liebenswert, unwichtig und unzul?nglich sei, sonst w?rde es nicht entweder ganz konkret von den Erwachsenen oder sogar von seinem inneren Erwachsenen im Stich gelassen werden.
Wie kann es passieren, da? sich der innere Erwachsene von dem inneren Kind distanziert? Die Antwort f?llt leicht, wenn man sieht, da? die Gef?hle des Kindes die Pl?ne des Erwachsenen h?ufig durchkreuzen. Das Gef?hl nimmt nicht immer R?cksicht auf die abstrakten Zw?nge des Bewu?tseins. Insbesondere die melancholischen, depressiven Gef?hle werden nach M?glichkeit unterdr?ckt, denn sie st?ren bei den geplanten Vorhaben. Es ist selbstverst?ndlich, da? diese Unterdr?ckung eine noch gr??ere Depression im inneren Kindes ausl?st.
Nicht selten f?hlt sich das innere Kind so schmerzhaft leer, da? es vor lauter Einsamkeit durch Suchtverhalten zu Kompensieren versucht. Egal, ob Alkohol, Nikotin, Zucker, Schokolade, Fernsehen, Sport, Schlaf, Sexualit?t, Arbeit, Geldausgeben und vielen anderen Dinge mehr - hier sehen wir ein einsames inneres Kind. Je tiefer die innere Verlassenheit, desto verzweifelter ist das Kind darum bem?ht, den Schmerz zu lindern und um so st?rker neigt es zu destruktiven und selbstzerst?rerischen Handlungen.
Es ist wichtig zu erkennen, da? das innere Kind nicht naturgem?? so ist, sondern da? es sich derart entwickelt hat, weil es ?u?erlich und innerlich verlassen wurde.
6.2 Das geliebte innere Kind
Das innere Kind, das sich geliebt f?hlt, ist das eigentliche innere Kind.
Warum ist es das eigentliche innere Kind? Weil dieser Aspekt des inneren Kindes die Qualit?ten aufweist, die ein gesundes Kind auszeichnen. Es entspricht den Eigenschaften, die der Archetypus des Kindes ausdr?cken soll:
Es ist die Quelle unserer Lebendigkeit, unserer Begeisterungsf?higkeit und unseres Potentials, uns zu wundern und in Erstaunen zu geraten. Das geliebte Kind ist stark, dynamisch und voller Leidenschaft: es ist verspielt, neugierig und immer f?r neue Ideen und Erfahrungen offen. Aus dem nat?rlichen inneren Kind flie?en unsere Kreativit?t, unsere Intuition und unsere F?higkeit, anderen Menschen zu vertrauen. Unsere Verspieltheit und Phantasie r?hrt von unserem inneren Kind her, genauso wie die lustvolle Lebensfreude, die Begeisterung und die Spontaneit?t.
Das Kind, das die Welt holistisch und nicht logisch-linear betrachtet, ist Tr?ger unserer F?higkeit zur tiefen emotionalen und spirituellen Verbindung zu uns selbst und zu anderen. Das geliebte innere Kind kann uns sagen, was wir sp?ren und w?nschen, weil es ein deutliches Gef?hl daf?r hat, was ihm gut tut und was ihm schadet. Menschen, die keinen Kontakt zu ihrem inneren Kind haben, wissen einfach nicht, was ihnen gut tut oder schadet.
Man stelle sich einmal vor, wie sch?n es w?re, wenn man st?ndig eine gute Verbindung zum inneren Kind h?tte. Wie heiter w?rde das Leben vorbeiflie?en, wenn man die meiste Zeit, und sogar die Arbeitszeit, an einem verspielten, kreativen, lustvollen Ort verbringen w?rde. Nat?rlich ist damit nicht gemeint, da? wir den ganzen Tag mit einem Schnuller im Mund herumlaufen sollen, sondern eine fr?hliche, kreative Grundeinstellung. Es kommt darauf an, eine Einheit mit sich selbst zu sein, statt sich immer zerrissen zu f?hlen. Erst wenn wir diese Einheit versp?ren, k?nnen wir gl?cklich und verantwortungsbewu?t sein.

7. Die Gesichter des inneren Erwachsenen
Auch wenn es auf den ersten Blick beim Lesen erstaunt: Jeder von uns ist ein Elternteil - und zwar f?r sein inneres Kind. Diese Tatsache ist eigentlich genauso schwierig einzusehen, wie die Tatsache, da? wir ein inneres Kind haben.
Der Erwachsene ist der logische, der denkende Teil in uns. Urspr?nglich war er einmal eine Einheit mit dem inneren Kind, aber dadurch, da? er wesentlich besser gef?rdert wurde, ist er viel weiter entwickelt und heute (fast schon) ein Gegenspieler zum inneren Kind. Die Gef?hle des Erwachsenen sind das Ergebnis seines Denkens. Im Gegensatz dazu sind die Gedanken des Kindes das Ergebnis seines F?hlens.
Der Erwachsene mu? die Aufgabe des liebevolle Bemutterns ?bernehmen - die alten Wunden heilen und die falschen ?berzeugungen durch die Wahrheit ersetzen. Ganz wichtig ist seine Aufgabe, die zerst?rerischen Verhaltensmuster des verlassenen Kindes nicht zu tolerieren.
Unser innerer Erwachsener kann ein liebevoller oder ein liebloser Erwachsener sein - mit anderen Worten: Ein Erwachsener, der sich entschieden hat, sich selbst von dem inneren Kind zu sch?tzen oder der beschlossen hat, von seinem inneren Kind zu lernen.
7.1 Der lieblose innere Erwachsene
Lieblos ist der Erwachsene, der die Wahl getroffen hat, sich gegen die Wahrnehmung und das Durchleben von Schmerz, Angst, Traurigkeit, Unbehagen und des intensiven Gef?hls des Alleinseins und der Einsamkeit seines inneren Kindes zu sch?tzen, und der sich weigert, daf?r die Verantwortung zu ?bernehmen.
Der lieblose Erwachsene hat sich zudem (nat?rlich unbewu?t) entschieden, keine Verantwortung f?r die Freude und die Geborgenheit des Kindes zu ?bernehmen. Er mi?t Aufgaben, Regeln und Verpflichtungen einen gr??eren Wert bei, als dem Gef?hl, in Kontakt mit sich selbst zu sein.
In uns spricht der lieblose Erwachsene durch die Stimme, die sagt, da? das Kind ihn bel?gt, da? es schlecht, falsch, dumm und unwichtig sei, und da? die Gef?hle des Kindes unwichtig seien.
Der lieblose, autorit?re Erwachsene hat als Hauptabsicht die Kontrolle des inneren Kindes und hat dabei die typischen Probleme, die Eltern haben, wenn sie nicht auf ihre Kinder h?ren. Die nat?rlichen F?higkeiten des Kindes werden so ?bergangen und dadurch verliert es nat?rlich automatisch an Wert.
Welche Einstellungen sind typisch f?r einen lieblosen, inneren Erwachsenen?
Sp?re deine Gef?hle nicht, sprich nicht ?ber sie.
Du kannst dich selbst nicht gl?cklich machen. Andere Menschen oder chemische Mittel m?ssen mich gl?cklich machen.
Sei gut, anst?ndig, pflichtbewu?t, perfekt und stark. Zeige keine Schw?che und kn?ppel jeden inneren Widerstand nieder. Bevor du Schw?che zeigst, spiele lieber den coolen Hecht.
Sei nicht lustig, albern und leichtherzig, sondern besonnen und erwachsen. Ein st?ndig fr?hliches Gesicht kann aber nicht schaden, damit die anderen denken, es ginge dir gut.
Sei nicht offen und ehrlich, sondern sprich in Andeutungen. Mache keine klaren Aussagen. Pflege auch den Kontakt zu Menschen, die dir unbeliebt sind; sie k?nnten irgendwann mal von Nutzen sein.
St?re das bestehende System nicht, indem Du w?chst, oder Dich ver?nderst. Bleibe wie du bist, damit sich die Umwelt auf deine Konstanz verlassen kann.
Wenn du krank bist, nehme Medikamente und arbeite weiter. G?nne dir keine Pause, h?re nicht auf den Quatsch mit der Psychosomatik und vertraue darauf, da? die Medikamente wirken werden. Bei Verstopfungen nimm Abf?hrmittel, bei Kopfschmerzen nimm Schmerztabletten, wenn du nicht schlafen kannst, nimm Schlaftabletten, wenn du eine Erk?ltung hast, nimm Wick Medischei?. Nur mache keinen Fehler: Denke nicht ?ber innere Ursachen nach!
Bleibe immer in Aktion. Denke nicht nach. Introversion macht nur Probleme. Wenn du nachdenklich wirst, lenke dich mit anderen Menschen ab, oder benutze Drogen (Alkohol, ...).
K?mmere dich nicht um die Gef?hlswelt der anderen Menschen. Hilf ihnen mit materiellen Dingen, aber interessiere dich nicht f?r innerliche Dinge.
Sei besser als die anderen, auch wenn es dich nicht mehr zufrieden macht. Das Leben ist ein einziger Machtkampf, in dem man maximale Leistung bringen mu?.
Glaube nicht an Gott - besonders nicht an einen liebenden Gott. Wenn es sein mu?, akzeptiere die Naturgesetze als Ersatz, die Evolution als kosmisches Prinzip.
Die Lieblingsspr?che: "Sei doch nicht kindisch!", "Bist du naiv!", ...
Diese Liste liest sich schaurig, aber leider finden wir hier die Einstellungen der meisten inneren Erwachsenen wieder. Wen wundert es, wenn das Gef?hl des inneren Kindes auf die Barrikaden geht? Ist es nicht einleuchtend, da? es all seine Macht ausspielen wird, um doch noch beachtet zu werden?
Jeder Leser kann sich wohl vorstellen, da? ein Kind - mit den obigen Maximen erzogen - wohl schwerste neurotische St?rungen davontragen mu?!
7.2 Der liebevolle innere Erwachsene
Der liebevolle Erwachsene ist sich bewu?t, da? er verantwortlich f?r unser Gef?hlsleben ist, da er wei?, da? das Gef?hl in der Regel zu schwach ist, als da? es sich gegen Anfeindungen von au?en sch?tzen k?nnte. Der liebevolle Erwachsene nutzt seine St?rke und seinen Verstand nicht dazu, das innere Kind zu unterdr?cken, sondern dazu, das innere Kind zu seinen Rechten zu verhelfen.
Mehr als alle Worte k?nnen Beispiele zeigen, wie sich ein liebevoller innerer Erwachsener verh?lt:
Wir sind liebevoll, wenn wir unser eigenes emotionales und spirituelles Wachstum und das anderer Menschen f?rdern und unterst?tzen wollen und wenn wir pers?nlich Verantwortung f?r unsere Gef?hle ?bernehmen:Wird man beispielsweise auf dem Arbeitsplatz von seinem Kollegen verbal angegriffen, wobei das Ziel das innere Kind ist, so ist es die Aufgabe des inneren Erwachsenen, dem inneren Kind klarzumachen, da? diese Kritik nicht pers?nlich zu nehmen sei, da das innere Kind im Kollegen noch unreif ist. Besser noch ist es, den entsprechenden Kollegen sofort ganz direkt und freundlich darauf aufmerksam zu machen, da? die Bemerkungen nicht gut waren, sondern verletzend. Auf diese Weise ist das innere Kind nicht nur wieder beruhigt, sondern es f?hlt sich auch f?r die Zukunft vor diesem Menschen sicher.
Das innere Kind hat h?ufig die Tendenz, die eigenen Eltern zu verachten, weil sie dem Kind oft nicht die ben?tigten Gef?hle entgegengebracht haben. Der liebevolle innere Erwachsene versucht diese Verachtung abzubauen, in dem er erkl?rt, da? auch die Eltern letztlich nur Opfer waren. Eine blo?e Verurteilung bringt keine Verbesserung, statt dessen versucht er, ein besserer Elternteil zu sein.
Ein besserer Elternteil zu sein, bedeutet, auf die Bed?rfnisse des Kindes einzugehen: Es zu loben, f?r seinen Spa? zu sorgen, seine Gef?hle wahrzunehmen und ernstzunehmen, es vor ?bergriffen zu sch?tzen, die Depressionen zu lindern, Kontakte mit Menschen, die es nicht mag, zu vermeiden, ...
Das innere Kind ist im Grunde genommen ehrlich und offen - wie Kinder es nun einmal sind. Wenn der innere Erwachsene heuchelt, verschweigt, taktiert, so schafft er damit Abstand zu seinem inneren Kind. Um die N?he zu erlangen, mu? man lernen, offen und ehrlich zu sein.
Der liebevolle innere Erwachsene wird sein inneres Kind so behandeln, wie ein normaler Erwachsener sein leibliches Kind auch behandeln w?rde.
In dem der liebevolle innere Erwachsene das innere Kind liebevoll behandelt, werden die sich ungeliebt f?hlenden Teile des Kindes abgebaut und die sich geliebt f?hlenden Teile des Kindes werden gest?tzt. Dieser Erwachsene wei? die Qualit?ten des inneren Kindes zu sch?tzen und behandelt es deswegen gut.
Im folgenden Kapitel werden wir sehen, wie der liebevolle innere Erwachsene den erneuten Kontakt zum inneren Kind sucht, und wie er eine Ann?herung erreichen kann.

8. Die Arbeit mit dem inneren Kind
Warum die Arbeit mit dem inneren Kind? Sie hilft uns, mit tieferer Schichten unseres Bewu?tseins in Kontakt zu kommen und uns somit uns als ein gr??eres Ganzes zu verstehen. Wir werden dadurch eine Einheit mit uns selbst. Durch diese Wiedervereinigung l?sen sich viele Probleme, Spannungen, Unklarheiten, Steitigkeiten, Krankheiten auf. Wir f?hlen uns wohler, ausgef?llter, sicherer. Dar?ber hinaus lernen wir automatisch auch unsere Mitmenschen besser kennen, denn jeder Mensch hat ein inneres Kind - und in verschiedenen Aspekten ?hneln sich alle Kinder sehr.
8.1 Ein Beispiel der Arbeit mit dem inneren Kind
Nachdem man im theoretischen Teil die Wichtigkeit der N?he zum inneren Kind eingesehen hat, geht es in diesem praktischen Teil geht es darum, seinem inneren Kind tats?chlich n?her zu kommen. Um ein Gef?hl daf?r zu bekommen, wie ein innerer Dialog mit dem Kind aussehen kann, gebe ich erst einmal ein Beispiel (aus "Auss?hnung mit dem inneren Kind", S. 147):
Melissa ist Mitglied in einer Selbsthilfegruppe und hat schon recht viel Erfahrung mit dem inneren Kind. Der Grund f?r ihre Probleme war die schwierige Ehe mit Marvin, den sie viele Jahre lang zu sehr umsorgte. Das Wach-Bewu?tsein von Melissa ist die Erwachsene im Selbst-Gespr?ch. Das Kind ist ihr inneres Kind.
" Donnerstag, 22 Uhr.
Erwachsene : Warum sind wir krank geworden?
Kind: Zu wenig Schlaf. Und du zwingst mich, mich um Marvin zu k?mmern.
Erwachsene: Wie kann ich helfen?
Kind: La? es zu, da? ich rede, wenn ich etwas nicht mag!
Freitag, 3 Uhr morgens.
Erwachsene: Wie f?hlst du dich?
Kind: M?de, und ich kann nicht schlafen.
Erwachsene: Warum nicht?
Kind: Es gehen viel zu viele Gedanken in deinem Kopf herum.
Erwachsene: Was mu? passieren, da? sie dich nicht mehr qu?len?
Kind: Ich nehme an, wir sind nicht in Kontakt miteinander. Warum kommst du nicht mit mir in Kontakt?
Erwachsene: Was brauchst du jetzt?
Kind: Du sollst mir sagen, da? es in Ordnung ist, gl?cklich zu sein.
Erwachsene: Nat?rlich ist das in Ordnung. Es ist wunderbar. Es gibt nichts Wunderbares am Leiden.
Kind: Aber Mavin macht mich runter, wenn ich gl?cklich bin.
Erwachsene: Ich wei?. Aber ich werde auf dich aufpassen, wenn er es tut.
Kind: Was wirst du tun?
Erwachsene: Ich werde dich sagen lassen "Das f?hlt sich nicht gut an" und weggehen.
Kind: Das hast du nie getan. Du hast immer angefangen, ihn zu fragen, warum er sich so benimmt, und du dachtest, da? er auf seine Weise lernen wolle, aber das ist nicht der Fall. Lernen hei?t, auf mich zu h?ren, sich auf mich einzustimmen. [...]
Erwachsene: Ja, ich habe es schon oft so gemacht. Ich mu? also akzeptieren, da? er verschlossen ist und einfach weggehen?
Kind: Ja, wenn du nur verstehen w?rdest, wie einfach es ist - stimm dich einfach auf mich ein und geh weg, wenn ich mich angespannt f?hle. Dann k?nnten wir uns diese langen Gespr?che sparen, weil es dann nichts zu bereden g?be."
Wie kann man dieses Gespr?ch verstehen?
Melissa hat lange regelm??ig den Kontakt zu ihrem inneren Kind gesucht und inzwischen ist sie so weit, da? das innere Kind (alias Unterbewu?tsein) so weit in das Bewu?tsein vorr?cken kann (darf), da? sich seine Gef?hle klar erf?hlen lassen, oder sogar in Worten gedacht werden. Dieser Vorgang ist gar nicht so ungew?hnlich, wir alle kennen diese Worte, wenn wir still in unserem Kopf - ohne es zu wollen - beispielsweise ein Streitgespr?ch mit anderen Menschen f?hren. Es ist unser inneres Kind, da? dieses Gespr?ch f?hrt!
Dieses Gespr?ch kommt normalerweise unkontrolliert und spontan. Aber mit regelm??iger ?bung kann man diese Gespr?che auch bewu?t hervorrufen und lenken. Melissa hat einen guten Kontakt zu ihrem inneren Kind aufgebaut, da? durch Sprache mit ihr kommunizieren kann. Ihr inneres Kind kennt die Gr?nde f?r die Schwierigkeiten in der Ehe und erkl?rt es Melissa, die von Fehleinstellungen geplagt sich aufopfert.
8.2 Oberstes Gesetz: Regelm??igkeit und Intensit?t!
Das allerwichtigste an der Arbeit mit dem inneren Kind ist die Regelm??igkeit. Was man genau w?hrend der gemeinsamen Zeit mit dem inneren Kind macht, ist bei weitem nicht so entscheidend, wie die Tatsache der Regelm??igkeit.
Regelm??igkeit
Warum ist Regelm?igkeit so wichtig? Weil sie N?he und Vertrauen schafft. Erst durch die regelm??ige, also t?gliche, Besch?ftigung mit dem inneren Kind entwickelt sich eine N?he. Man ist sich nicht mehr fremd. Man denkt nicht lange dar?ber nach, ob man nun ins Gespr?ch kommen will, oder nicht, sondern es ist ganz selbstverst?ndlich, da? man miteinander redet.
F?r das innere Kind ist es von gro?er Wichtigkeit, da? es weis: "Der Erwachsene mag mich. Er nimmt mich ernst und k?mmert sich um mich. Ich bin ihm nicht egal.". Erst wenn das innere Kind sich akzeptiert f?hlt, kommt es zu fruchtbaren Unterhaltungen mit ihm. Berichte von Amerikanern, die an "Self-Parenting"-Kursen teilnahmen, berichteten, da? das innere Kind richtiggehend beleidigt ist, wenn man einen Tag ausl??t. Wenn man es am zweiten Tag anspricht, so antwortet es nicht. Erst nach beispielsweise drei Tagen meldet es sich wieder.
Praktisch bedeutet dies, da? man mindestens einmal am Tag 15 - 30 Minuten ausschlie?lich mit dem inneren Kind verbringt. Das Telefon ist abgeschaltet; wenn es an der T?r klingelt, macht man nicht auf. Das Kind mu? f?hlen, da? man nur f?r es pers?nlich da ist.
Intensit?t
So schwer es zu Anfang auch fallen mag, so wichtig ist es auch, die N?he zum inneren Kind den ganzen Tag lang zu suchen. Wenn man nicht den halben Tag lang mit seinem inneren Kind zusammenarbeitet, so werden die restlichen Anstrengungen sofort wieder relativiert. Das Gute wird wieder zunichte gemacht, da der Schaden durch die zu lange Distanz zu gro? ist. Mit Sicherheit sind 30 Minuten am Tag nicht ausreichend. Das innere Kind ist wie ein normales Kind auch: Ein echter Full-Time-Job!
Da wir jetzt um die Wichtigkeit der Regelm??igkeit und der Intensit?t wissen, k?nnen wir uns anschauen, welche Dinge wir denn so intensiv betreiben sollen:
8.3 Die Sprache unseres inneren Kindes: Bilder und Gef?hle
Wer im Rahmen der Arbeit mit dem inneren Kind eine Kommunikation aufbauen will, mu? zun?chst auf die uns so gewohnte verbale Sprache verzichten. Dem inneren Kind sind unsere abstrakten Worte unverst?ndlich und manche Forscher behaupten sogar, da? es nicht einmal die Verneinung verstehen kann. Wenn wir uns einreden wollten "Ich bin nicht traurig.", so w?rde bei dem Kind nur ankommen "Ich bin traurig.".
Aber selbst, wenn wir dem Kind zu erkl?ren versuchen, da? wir die n?chste Woche auf jeden Fall unsere Erk?ltung losgeworden sein m?ssen, n?tzt es wenig, wenn wir uns den Satz "N?chste Woche bin ich gesund." immer wieder vorsprechen. Viel wirksamer ist es, sich bildlich vorzustellen (visualisieren), wie wir gesund durch den Arbeitsplatz h?pfend unsere Kollegen erstaunen und nur so vor Kraft strotzen. Gleichzeitig m?ssen wir unserem inneren Kind das Gef?hl "Gesundheit" anbieten. Wir m?ssen uns schon gesund f?hlen, obwohl wir noch krank sind.
Ein ganz einfacher Hinweis auf die Bildersprache unseres inneren Kindes sind die Tr?ume. Hier sehen wir sehr lebendig, wie Bewu?tseinsinhalte nicht mit Worten ge?u?ert werden, sondern durch Bilder. Der innere Erwachsene kann sich beispielsweise durch ein Traumdeutungslexikon die Bilder entschl?sseln und so die Botschaft verarbeiten.
Ein anderes Beispiel f?r die Bildverarbeitung unseres inneren Kindes sind unsere Reaktionen auf eine Rede. Wenn der Redner geschickt ist, wird er nicht nur Verstandesargumente f?r unseren inneren Erwachsenen finden, sondern auch gute Bilder, die unser inneres Kind versteht. Wenn beide Instanzen zufrieden sind, dann hat die Rede gut gewirkt.
Aus welchem Grund sind M?rchen und Mythen mit so vielen sprachlichen Bildern versehen? Weil unser inneres Kind dies verarbeiten kann. ?berlegen wir: Angenommen, wir wollten einem Kind etwas schwieriges erkl?ren. Wie w?rden wir es tun? Mit Bildern nat?rlich. Die Biene und das Bl?mchen sind herrliche Veranschaulichungen f?r die Fortpflanzung.
Auch der Erfolg des Fernsehers ist nur durch seine Bilder zu erkl?ren. Unser inneres Kind liebt den Fernseher, weil er so viele bunte und bewegliche Bilder hat. Egal, ob das innere Kind die von den Autoren beabsichtigte Aussage versteht oder nicht, die Bilder schaut es sich gerne an. Nicht umsonst gibt es jedesmal eine Welle von Spenden, wenn Bilder aus der Dritten Welt in die Wohnzimmer flimmern: Das innere Kind hat die Botschaft verstanden, die es in dem Zeitungsartikel nicht verstanden hat. Es ist klar, da? wir Fernsehzuschauer damit in den Klauen der Sendeanstalten (und damit der Politik) sind, aber das interessiert das innere Kind nat?rlich nicht. Man mag es beurteilen, wie man will, da? 95% der Bundesb?rger das Fernsehen als Lieblingsbesch?ftigung nennen. Der innere Erwachsene rationalisiert nat?rlich, da? es wichtig ist, das Auslandsjournal zu sehen, aber meistens ist die Ursache des Fernsehens das innere Kind.
Diese kleine Auflistung sollte deutlich machen, wie wichtig Bilder f?r das Leben unseres inneren Kindes sind. Deshalb merken wir uns, da? es keinen Sinn macht, lediglich ?ber Worte mit dem inneren Kind zu kommunizieren. Wir m?ssen ein Gef?hl der Liebe und Bilder an das Kind herantragen, anstatt einfach zu sagen "Ich liebe Dich.".
8.4 Die verschiedenen praktischen M?glichkeiten des Dialogs
Wie es sich schon herumgesprochen haben d?rfte, ist es niemals wirklich sinnvoll die Arbeit mit dem inneren Kind still in Gedanken vor sich zu nehmen.
Wie in der Komplexbearbeitung und in der Traumarbeit ist es von gr??ter Wichtigkeit, die aufkommenden Gef?hle und Gedanken festzuhalten. Dies erreicht man durch ein lautes Aussprechen der Gedanken oder besser noch durch ein Aufschreiben. Ein deutlicheres Artikulieren als das ledigliche Denken hat au?erdem den Vorteil, da? man genauer Beobachten kann, wie genau die Kommunikation verl?uft; in Gedanken verf?llt man gewohnten Mustern, ohne es zu merken.
?Das Scheiben hat den Vorteil, da? man alle Einzelheiten auch noch Monate sp?ter nachverfolgen kann, um Fortschritte besser wahrzunehmen oder eventuelle Verzerrungen aufzuzeigen. Desweiteren sei darauf verwiesen, da? in amerikanischen Studien nachgewiesen wurde, da? Tagebuch-schreibende Menschen nicht nur gl?cklicher, sondern auch leistungsf?higer sind - dies nur als kleiner Ansporn.
Der Nachteil des Schreibens liegt darin, da? es nicht sehr spontan abl?uft, da man ja immer schneller denkt als schreibt, insbesondere bei aufgepeitschten Gef?hlen.
Manche Menschen schreiben die Worte des inneren Erwachsenen mit der rechten Hand (verbunden mit der linken Gehirnh?lfte - rationales Denken, Verstand) und die Worte des inneren Kindes mit der linken Hand (verbunden mit der rechten Gehirnh?lfte - bildliches Denken, Gef?hl). Auf diese Weise sollen beide Pers?nlichkeitsteile sich besser ?u?ern k?nnen. Mit links zu schreiben f?llt nicht leicht, aber mit etwas ?bung kann man diese Wort durchaus lesen.
?Das laute Reden hat den Vorteil der gr??eren Spontaneit?t. Man kann die Gef?hle laufen lassen und in sich so richtig in Rage reden. Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man sich kaum vorstellen, wie gro? der Unterschied zwischen reden und denken ist. Wenn etwas ausgesprochen wird, gewinnt es an Realit?t und Bewu?theit. Manchmal hat man sogar Hemmungen, irgendetwas vor sich selbst auszusprechen - hier sieht man deutlich, wie sich etwas verstecken m?chte und sich vor dem ?bergang des unbewu?ten Bildes zum bewu?ten Wort scheut.
Eine interessante M?glichkeit des m?ndlichen Dialogs mit dem inneren Kind ist folgende: Man nehme sich zwei St?hle und klebe an die R?ckenlehne eines jeden Stuhles ein Bild. Auf den ersten Stuhl ein Bild aus unserer Kindheit (ca. 6 Jahre alt) und auf den zweiten Stuhl ein aktuelles Bild. Nun kann man sich abwechselnd auf die beiden St?hle setzen und mir dem gegen?berliegenden Photo (Pers?nlichkeitsteil) sprechen. Wenn man m?chte, kann man sogar die entsprechende Kinder- oder Erwachsenenstimme annehmen.
Wie man sieht, haben beide Techniken Vor- und Nachteile. Ein Kompromi? w?re, beide Techniken zu nutzen, je nach dem, wozu man sich gerade f?hlt. Auch stattgefundene Gespr?che mit sich selbst kann man anschlie?end problemlos zusammenfassen, um das "Ereignis" zu dokumentieren.
8.5 Die ?ngste des inneren Kindes und des inneren Erwachsenen
Wenn es darum geht, da? das innere Kind und der innere Erwachsene sich ann?hern sollen, gilt es viele ?ngste und Vorurteile zu ?berwinden.
Die ?ngste und Vorurteile des Erwachsenen
?Der Erwachsene hat Angst, weil er zum einen sein Selbstkonzept ?ndern mu?. Wie jeder Mensch in der Gesellschaft, so glauben auch wir immer stark sein zu m?ssen. Aber wir sind nicht immer stark; manchmal (h?ufiger, als wir glauben) sind wir auch verletzlich und schwach. Wenn wir uns unserem inneren Kind n?hern, m?ssen wir Schw?che zeigen k?nnen, denn unser inneres Kind ist oft schwach und empfindlich. Es ist verst?ndlich, wenn der Erwachsene Angst davor hat, sein Selbstkonzept zu ?ndern, da er nicht absch?tzen kann, wie seine Umwelt reagieren wird.
?Der Erwachsene mu? im normalen Alltagsleben immer die Fassung wahren. Wenn er sich sehr freut, mu? er sich etwas d?mpfen, um nicht aus dem Rahmen zu fallen. Wenn er depressiv ist, mu? er sich am Riemen rei?en, um nicht mit einem langen Gesicht durch den Tag zu laufen. Kurz: Unsere Umwelt verlangt von uns, da? es uns jeden Tag gleich gut, bzw. schlecht geht. Aber unser inneres Kind hat keine konstante Gef?hlswelt. Es ist mal lustig und mal traurig. Egal, welches Gef?hl es gerade hat, es will es immer zeigen. Dies ist f?r den Erwachsenen schwierig, denn er mu? die gro?e Gef?hls-Dynamik mitmachen und l?uft (subjektiv) Gefahr, von seinen Mitmenschen schief angeschaut zu werden.
(((Hier fehlt eine Abbildung.)))
Die unkonstante Gef?hlswelt w?re nicht tragisch, wenn es haupts?chlich lustig w?re. Aber immer sind Lustigkeit und Traurigkeit miteinander verbunden. Das Ma?, in dem man lustiger und freier wird, gilt auch f?r die Depressionen. Man ist eben manchmal auch depressiv und leistungsunwillig. Dies mu? der Erwachsene akzeptieren - und davor hat er Angst.
Wie sich in den Therapien immer wieder herausgestellt hat ("Auss?hnung ...", S. 170), haben die Erwachsenen eine gro?e Angst vor dem, was das innere Kind an Bed?rfnissen und Einstellungen hat. Vielleicht m?chte es Dinge realisiert haben, die diametral den Vorhaben des Erwachsenen entgegenstehen. Vielleicht liebt das innere Kind den Beruf nicht, vielleicht liebt es den Partner nicht mehr, oder es sperrt sich gegen Vertr?ge oder Abmachungen, die der Erwachsene eingef?delt hat. Vielleicht will es auch den ganzen Tag nur lachen und spielen. Wer wei? das schon?
Vielleicht hat man Angst, da? das Kind etwas Unheimliches, Bedrohliches, Wildes, Verr?cktes w?nscht. Davor hat man nat?rlich Panik.
Das Vorurteil des Erwachsen geht h?ufig dahin, da? er meint, das Kind hat keine besonderen Leistungen, nichts, was ihn reizen k?nnte. Es ist eben "nur" ein Kind. Tats?chlich kann das innere Kind vielleicht wenig ?ber Politik erz?hlen, aber daf?r kennt es sich um so besser im Gef?hlsleben aus, es ist beispielsweise intuitiv, kreativ, sympathisch, ... und hat uns an subjektiver Lebensqualit?t eine Menge zu bieten.
Ein weiteres Vorurteil ist zu glauben, was das innere Kind f?hlt und will. Gerade durch diese Argumentation kann man vermeiden, das innere Kind zu fragen. Hier handelt es sich sozusagen um eine geschickte (und arrogante) Taktik des Bewu?tseins der Konfliktvermeidung.
Die ?ngste und Vorurteile des Kindes
Das Kind ist in seinem Leben schon so h?ufig verraten worden, da? es sehr vorsichtig ist, wem es sein Vertrauen schenkt. Es mi?traut dem inneren Erwachsenen zun?chst einmal, da es nicht sicher ist, ob er zuverl?ssig f?r es da sein kann. Hier liegt gleichzeitig die Angst und das Vorurteil.
Das Kind ist von seinem Erwachsenen gewohnt, da? er viel schwierige Dinge erwartet. Immer hat er Anspr?che, Verbote und Regeln. Das innere Kind mag aber alle diese Einengungen nicht und es f?llt ihm deshalb schwer, sich in die N?he des Erwachsenen zu wagen.
8.6 Die Ernsthaftigkeit ist wichtig
Es ist ein gro?er Schritt von der anf?nglichen, unkonkreten, abstrakten Aussage "Ja, ich m?chte mich um mein inneres Kind k?mmern." bis hin zur wirklichen Realisierung dieser Aussage. Zu Anfang ist die N?he noch nicht da, man kennt die Verantwortung noch nicht und ist sich nicht sicher, wie das innere Kind f?hlt. Man darf nicht bei der Oberfl?chlichkeit stehenbleiben, sondern mu? N?gel mit K?pfen machen.
Vielleicht darf ich den Punkt an einem Beispiel klarmachen: Die verschiedenen Grade der Ernsthaftigkeit sieht man h?ufig in der Art des Einsatzes der Eltern f?r ihr Kind. W?hrend V?ter sich eher abstrakt, distanziert f?r ihr Kind einsetzen, sind M?tter k?mpferischer, konkreter, n?her f?r das Kind da. Nicht umsonst gilt nicht nur im Tierreich, sondern auch in den asiatischen Kampfsportarten: Kein Gegner ist so gef?hrlich, wie eine Mutter, die ihr Kind verteidigt. Ebenso m?ssen wir unser Kind nah umgeben und notfalls f?r es k?mpfen.
Weil dieser Punkt so wichtig ist, soll ein weiteres Beispiel aus dem Buch ("Auss?hnung mit dem inneren Kind", S. 148) gegeben werden: Roberto hat sich vor kurzem den Arm bei einem Autounfall gebrochen.
Erwachsener: Was m?chtest du?
Kind: Ich m?chte geliebt und umsorgt werden. Ich m?chte, da? du dich um uns k?mmerst.
Erwachsener: Ich m?chte mich um uns k?mmern! (Roberto neigt dazu zu sagen "Ich m?chte dies oder jenes tun" und tut es nicht. Er sagt noch nicht "Ich werde...")
Kind: Dann tu es, verdammt nochmal! Niemand sonst wird es tun! (Das Kind reagiert hier auf Robertos Gewohnheit, "Ich m?chte" zu sagen, ohne dann entsprechend konsequent zu handeln.)
Erwachsener: Du bist verletzt, und ich versuche, mich um dich zu k?mmern. ("Ich versuche ..." !!!)
Kind: Du bist echt beschissen. Du m?chtest in deinem Selbstmitleid steckenbleiben und sterben. (Das Kind nimmt ihm sein "ich versuche" nicht ab.)
Erwachsener: Das reicht! Ich k?mmere mich um uns, uns ich liebe uns, und dieser Dialog wird und helfen, uns zu heilen. (Roberto verr?t sein Kind eher, als zu lernen und sein Kind zu fragen, warum er denn "beschissen" sei.)
Kind: Dieser Dialog ist ebenfalls v?llig bl?dsinnig. Ich habe Angst.
Erwachsener: Dieser Dialog wird unser Leben retten helfen. (Roberto verkauft immer noch seine Ideen, ohne die Absicht, etwas ?ber die Angst des Kindes lernen zu wollen.)
Kind: Ich brauche ein Nickerchen.
Erwachsener: Okay.
Roberto unterlie? am n?chsten Tag, einem Sonntag, das Schreiben und setzte den Dialog erst wieder am Montag fort.
Erwachsener: Ich liebe dich, und ich setzte mich daf?r ein, f?r dich zu sorgen und ?ber dich und von dir zu lernen. Wie geht es dir?
Kind: Es geht mir besser, aber ich bin w?tend auf dich, weil du mir gestern nicht geschrieben hast.
Erwachsener: Ich f?hlte mich so wohl, nachdem ich in der Kirche gewesen war, und ich entschuldige mich! (Roberto erkl?rt und verteidigt sich, anstatt sich nach der Wut des Kindes zu erkundigen.)
Kind: Es scheint mir immer eine Entschuldigung zu geben. (Sein Kind nimmt ihm die Erkl?rung nicht ab.) Entweder bist du zu m?de oder du hast zu starke Schmerzen. Wir brauchen soviel Zeit zusammen! Ich habe jetzt Angst, und du warst nicht in der Lage, dich darum zu k?mmern, da? wir ernsthaft ins Gespr?ch kommen.
Erwachsener: Ich denke, du gibst mir keine Chance. Erz?hl mir etwas ?ber deine Angst. (Jetzt hat er die Absicht, etwas zu erfahren.)
Kind: Ich habe Angst, da? wir zumachen, und dann laufen wir irgendwie herum und kommen ?berhaupt nicht mehr ins Gespr?ch. Ich bin einsam und brauche etwas Spa?.
Erwachsener: Okay, la? uns spazieren gehen! (Roberto entfernt sich wieder von seiner Absicht zu lernen und versucht, sein Kind zu beschwichtigen, anstatt es zu fragen, was es m?chte.)
Kind: Zuerst m?chte ich dir sagen, wie sehr ich Patti vermisse! Wir hatten soviel Spa? miteinander! Ich bin w?tend auf dich , weil du sie einfach von mir entfernt hast, so wie alle anderen auch.
Erwachsener: Patti war zu jung. [...] Es tut mir leid, da? ich damals die Falsche ausgesucht hatte. (Roberto rechtfertigt sich, anstatt zu versuchen, die Gef?hle seines Kindes zu verstehen.)
Kind: Ich habe Angst wegen der Arbeit. Wie willst du uns ern?hren?
Erwachsener: Ich tue, was ich kann. Wir haben eine k?rperliche Verletzung, die heilen mu?. (Roberto unternimmt keinen Versuch, die Gef?hle seines Kindes wahrzunehmen und sie zu verstehen. [...]"
Dieses Beispiel zeigt sehr sch?n, wie ein nicht aufrichtiger Dialog mit dem inneren Kind aussehen kann. Es wird deutlich, wie Roberto um den hei?en Brei herumredet, anstatt ehrlich zu sein. Die leeren Phrasen kann das innere Kind genau verstehen. Man kann noch so oft "ich liebe Dich" sagen; wenn es nicht ehrlich und aufrichtig gemeint ist, bringt es keine Fortschritte.
8.7 Voraussetzungen f?r die Arbeit mit dem inneren Kind
Im folgenden sollen einige Voraussetzungen aufgelistet werden, die deutlich machen, welche innere Einstellung von N?ten ist, um einen Erfolg zu erzielen:
- man sollte einsehen k?nnen, da? man f?r die eigene Freude und das eigene Leid Verantwortung ?bernehmen mu?. Viele Gef?hle werden durch ?u?erliches (Personen oder Gegenst?nde) ausgel?st, aber das Gef?hl ist eine innere Reaktion darauf. Kein Gegenstand macht gl?cklich, sondern immer und ausschlie?lich nur unsere Empfindung zu ihm. Man mu? lernen, da? man niemanden au?er sich selbst daf?r verantwortlich machen darf, wie wir f?hlen. Die Arbeit mu? darauf hinauslaufen, da? man niemanden mehr kontrollieren will, um das eigene Gl?ck zu sichern.
Es wird als eine typische Grundeinstellung s?chtiger Menschen beschrieben, zu glauben, ?u?erliche Dinge k?nnten uns gl?cklich machen.
- man mu? bereit sein, alles aufs Spiel zu setzten, um alles gewinnen zu k?nnen. Es ist nicht einfach, sich diese Freiheit zu erk?mpfen. Vielleicht kann man wirklich verallgemeinern, da? der Einsatz (die Dinge, auf die man zu verzichten bereit ist) die Gr??e des Gewinns (die Dinge, die uns gl?cklich machen k?nnen) direkt bestimmt.
8.8 Die zw?lf Schritte amerikanischer Selbsthilfegruppen
Viele Selbsthilfegruppen in den USA haben eine Liste an Grund?berzeugungen, die Menschen mit Drogenproblemen (anonyme Alkoholiker), Gewichtsproblemen (Weight Watchers) oder Kindheitsproblemen bei der Heilung helfen sollen. Gem?? dem Prinzip EINSEHEN - EINGESTEHEN - SCHW?CHE BEKENNEN - AKTIV WERDEN - ANDEREN HELFEN folgt hier ein m?glicher Kodex:
Wir haben zugegeben, da? wir in unserem Ego-Zustand (nichtliebender Erwachsener und verlassenes Kind) machtlos ?ber unsere S?chte waren, da? unser Leben nicht mehr zu bew?ltigen war.
Wir haben eingesehen, da? es unsere Gesundheit wiederherstellen konnte, wenn wir unsere Ego-Kontrolle aufgeben und sie unserem h?heren Selbst ?berlassen und von unserem h?heren Selbst lernen, wie wir unserem inneren Kind ein liebevoller Erwachsener sein k?nnen.
Wir haben die Entscheidung getroffen, unser Leben unserem h?herem Selbst zu ?bergeben, indem wir von unserem inneren Kind lernen.
Wir haben eine ehrliche Aufstellung gemacht von den Wegen, die wir gew?hlt hatten, um uns zu sch?tzen, und von den Glaubenssystemen und unverheilten Wunden hinter diesen Verteidigungsstrategien.
Wir haben unserer h?heren Macht, uns selbst und mindestens einer anderen Person die gesamte Geschichte unserer Selbstschutzmechanismen, Verletzungen und Glaubenssysteme anvertraut, die uns dazu gebracht haben, unserer inneres Kind zu verlassen.
Wir haben uns entschlossen, uns unserer h?heren Macht / unserem h?heren Selbst gegen?ber zu ?ffnen und auf den Schutz des Ego zu verzichten, indem wir Verantwortung f?r unser eigenes inneres Kind ?bernommen haben.
Wir haben unsere Ego-Kontrolle aufgegeben und auf liebevolle Weise F?hrung durch unsere h?here Macht gesucht, um den Bed?rfnissen und Gef?hlen unseres inneren Kindes zu entsprechen.
Wir haben eine Liste von all dem zusammengestellt, womit wir unser inneres Kind und andere verletzt haben, und wir sind bereit, daran zu arbeiten.
Wir haben uns auf den Proze? eingelassen, uns selbst zu vergeben und uns unserem inneren Kind und anderen gegen?ber, die wir verletzt haben, freundlicher zu verhalten, es sein denn, dies w?re nicht liebevoll.
Wir f?hren fort, den Bed?rfnissen und Gef?hlen unseres inneren Kindes gr??te Aufmerksamkeit zu schenken und uns wieder zu verbinden, wenn wir den Kontakt verloren hatten.
Wir haben durch Meditation und schriftlichen und m?ndlichen Dialog die Verbindung zu uns selbst, zu anderen und zum Universum verbessert.
Da wir durch diese Schritte spirituell erwachten, wandten wir uns mit Liebe und Aufmerksamkeit unseren Mitmenschen zu.

9. Das Ergebnis
Aus den gewonnenen Erkenntnissen k?nnen wir folgende Schlu?folgerungen ziehen:
In uns steckt ein inneres Kind. Unsere Pers?nlichkeit besteht zu einem gro?en Teil aus kindlichen Aspekten, die eine Behandlung brauchen, die unserem allt?glichen Verstand ungewohnt sind. Das innere Kind beherrscht unser Verhalten in einem gro?en Ma?e, unser Bewu?tsein ist nicht allm?chtig. Um Gl?ck, Verantwortungsf?higkeit und Selbstverwirklichung zu erreichen, m?ssen wir uns unserem inneren Kind ann?hern.
In jedem erwachsenen Menschen steckt das innere Kind. Dies ist nicht als ein platter Satz zu verstehen, sondern als ein wesentlicher Satz in Bezug auf den Umgang mit anderen Menschen. Man versuche einmal ganz bewu?t in allen Mitmenschen nur das innere Kind zu sehen. Die ganze Stadt mu? nur voll sein mit Kindern.
Einige Kinder fahren Porsche, andere machen andere Kinder wegen Kleinigkeiten fertig, andere versuchen durch das Kaufen von massenweise Bonbons (1 Paar Schuhe = 10 Bonbons) ihre Sorgen zu vertreiben. Es wimmelt nur so von unzufriedenen Kindern, die auf der Suche nach Liebe, Zuwendung und Anerkennung sind. Im Umgang mit diesen Kindern m?ssen wir vorsichtig sein.


10. Literatur
"Auf der Suche nach dem verlorenen Gl?ck" - von Jean Liedloff, Beck-Verlag 1991.
"Auss?hnung mit dem inneren Kind" - von E.J. Chopich und M. Paul, Bauer-Verlag1990 (Viele Ideen in diesem Skript stammen aus diesem Buch. Es ist durch und durch lesenswert, nicht zuletzt deswegen, weil es unn?tige Wiederholungen vermeidet. Die 250 Seiten h?tte man kaum mehr komprimieren k?nnen.)
"In Dir lebt das Kind, das du warst" von W. Hugh Missildine, Klett-Kotta-Verlag, 370 Seiten

20.10.05 11:14

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